Am Nordrand des Maintals in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Bildungszentrum Kloster Banz und der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen in Oberfranken überspannt eine neue Straßenbrücke einen weithin sichtbaren Geländeeinschnitt der Autobahn A73. Sie ist Deutschlands erste voll verschweißte, integrale Verbundbrücke aus großformatigen Rohren. Die Besonderheit des von der Ingenieurgesellschaft SSF aus München realisierten Bauwerks liegt in der Synthese aus moderner Architektur, innovativer Konstruktion, wirtschaftlicher Fertigung und dauerhaft wartungsarmer Unterhaltung.
Zwei im Querschnitt leicht geneigte Fachwerkträger mit einer Spannweite von jeweils über 100 m bilden den filigranen, stützenfreien Tragrahmen, der voll in die massiven, in die Böschungen integrierten Widerlager eingespannt ist. Entsprechend dem Kräfteverlauf dieser integralen Bauweise ohne Fugen und Lager, ergeben sich Konstruktionshöhen von 5,80 m im Randbereich und lediglich 2,30 m in Feldmitte. Im Zusammenspiel mit dem leicht gewölbten Fahrbahnverlauf erscheint das bogenförmige Bauwerk überaus anmutig und lädt Benutzer der Autobahn zur Durchfahrt ein. Die Rohrprofile der Ober- und Untergurte mit Durchmessern von 508 mm bzw. 813 mm und Wanddicken bis zu 50 mm wirken trotz ihrer Ausmaße geradezu linienhaft auf den Betrachter. Etwas kleiner dimensioniert sind die Diagonalen. Über Kopfbolzendübel ist die 11 m breite, aufbetonierte Fahrbahnplatte schubfest mit dem Tragwerk verbunden.
Im Straßenbrückenbau mit großen Spannweiten wurden Rohrkonstruktionen aufgrund fehlender Nachweismöglichkeiten der Betriebsfestigkeit in Deutschland bisher nur mit Gussknoten ausgeführt. Da diese Bauweise aber relativ aufwendig ist, waren solche Brücken in der Vergangenheit kaum durchsetzbar und blieben trotz ihrer architektonischen und konstruktiven Vorteile eher die Ausnahme. Neue Berechnungsmethoden sowie eine optimierte Stabgeometrie und Schweißnahtführung machten es jedoch möglich, dass erstmals eine äußerst tragfähige Brücke mit geschweißten Rohrknoten ohne jede Einschränkung der Betriebsfestigkeit gebaut werden konnte. Das Projekt wurde von mehreren Hochschulinstituten wissenschaftlich begleitet.
Der Aufbau der werksseitig vorgefertigten und beschichteten Stahl-Verbundbrücke erfolgte mit nur wenigen Montageschweißungen in kurzer Zeit. Durch die vereinfachte Planung und schnelle Fertigung mit nur halb so schweren Schweißknoten konnten die Tragwerkskosten gegenüber herkömmlichen Stahlrohrbrücken mit Gussknoten erheblich gesenkt werden. Die übersichtliche und leicht zugängliche Konstruktion ist Garant für den wirtschaftlichen Betrieb des Bauwerks. Mit der erfolgreichen Realisierung der neuen Autobahnquerung eröffnen sich für die überaus ästhetischen Stahlrohrbrücken vielversprechende Marktchancen im deutschen Brückenbau.