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Harmonisch in der Landschaft Fußgängersteg aus wetterfestem Baustahl
Düsseldorf, 30. Juni 2009 - Die Ingenieure Neuner + Graf aus Garmisch-Partenkirchen und die Münchner Planungsgemeinschaft Zwischenräume erhalten für den Fußgängersteg über die Große Vils den Stahl-Innovationspreis 2009 in der Kategorie „Bauteile und Systeme aus Stahl für das Bauen". Zurücknehmend und doch kraftvoll passt sich der Fußgängersteg in die umgebende Flusslandschaft ein.
Die neue Fußgängerbrücke über die Große Vils südlich von München verbindet den östlichen Ortsteil Taufkirchens mit dem Stadtzentrum. Abseits der einzigen verkehrsbelasteten Straße ist sie Teil des örtlichen Fuß- und Radwegenetzes. Der Ingenieur Prof. Florian Neuner aus Garmisch-Partenkirchen und die Architektin Mechthild Siedenburg aus München entwarfen ein flach gespanntes Brückentragwerk ohne störende Anrampungen mit ausreichend lichtem Abstand über dem Gewässer. Hinter Kirche und Rathaus ist so eine ruhige Oase mit alten Bäumen entstanden, die den naturbelassenen Flusssaum jetzt erlebbar macht.
Organische Gitterträgerstruktur Im parkähnlichen Umfeld in Taufkirchen wurde das Tragwerksprinzip einer Gitterträgerbrücke aufgenommen, die geometrische Strenge der orthogonalen Gitterstruktur aber zugunsten eines organischen Netzes verlassen. Der stählerne Brückensteg mit einer Spannweite von 20 m besitzt einen U-förmigen Querschnitt. 20 mm dicke Stahlblechtafeln aus wetterfestem Baustahl bilden die Geländer, deren Öffnungen im Brennschneidverfahren scharfkantig herausgetrennt wurden.
Seitenwangen tragen die Brücke Der ungegliedert erscheinenden Musterung der Seitenwangen liegt ein effizientes statisches Konzept zugrunde: Sie sind nicht nur Geländer, sondern zugleich auch Tragwerk und vereinen in ihrer Struktur zwei sich überlagernde Fachwerke mit breiten Druck- und schmalen Zugstreben. Ober- und Untergurt vervollständigen den Querschnitt des nur 1,30 m hohen Brückenprofils. Da die Hauptlasten über die beiden Seitenwangen abgetragen werden, ist die mit einem Dünnbelag versehene, 2 m breite Gehwegebene auf ein querversteiftes Blech reduziert. Mit diesem Tragkonzept entfallen die bei Balkenbrücken sonst üblichen schweren Tragprofile.
Die Brücke wurde Material sparend in der Werkstatt vorgefertigt und aufgrund der geringen Bauteilquerschnitte mit geringem Aufwand transportiert. Vor Ort wurde sie dann endmontiert und anschließend in einem Stück eingehoben.
Stahl als Gestaltungselement Der eingesetzte wetterfeste Baustahl entwickelt durch Witterungseinflüsse nach kurzer Zeit eine ausdrucksstarke rotbraune Patina. Hervorgerufen wird dieser Effekt durch eine kontrollierte Oxidation. Unter natürlichen Bedingungen mit stetigem Wechsel von Nass- und Trockenphasen bildet der Stahl in ein bis zwei Jahren eine dichte, fest haftende Rostdeckschicht. Dadurch kommt der Korrosionsvorgang in den folgenden Jahren fast zum Stillstand. Das Material benötigt keinen Schutzanstrich, es schützt sich selbst und damit die Brückenkonstruktion für viele Jahrzehnte.
Die witterungsbedingten Prozesse an der Oberfläche des wetterfesten Baustahls führen zu subtil changierenden Farbigkeiten. Die wechselnd geneigten Schnittflächen der Geländerfüllungen formen sich zu organisch anmutenden Netzen, welche die Vegetation der Flussufer mit ihren schräg geneigten Stämmen reflektieren und reizvolle Licht- und Schattenspiele erzeugen. Zurücknehmend und doch kraftvoll passt sich der Fußgängersteg in die umgebende Natur ein und belegt damit exemplarisch die konstruktiven und ästhetischen Möglichkeiten, die Bauweise und Material bieten.
Kontakt: Horst Woeckner Stahl-Informations-Zentrum Sohnstr. 65 40237 Düsseldorf Tel: +49 (0)211 6707-849 Fax: +49 (0)211 6707-344 E-Mail: horst.woeckner@stahl-info.de
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