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Abgassysteme


Das ist wohl der ungemütlichste Platz im Auto: 1.100 Grad Celsius heiß sind die Abgase, die aus dem Motor in den Krümmer schießen - mit Überschall. 900, 800 Grad Celsius: Es ist immer noch richtig heiß, wenn die Abgase unmittelbar darauf durch den Katalysator strömen und dann gereinigt als „laues" Lüftchen ins Freie pusten. Doch wenn es nur die Hitze wäre, die dem Stahl einer Auspuffanlage zusetzt: Schneematsch, Salzwasser und Steinschlag greifen von außen an, innen gibt es säurehaltige Kondensate. Von der Dauervibration ganz abgesehen, die jede Sekunde an der Abgasanlage reißt und zerrt.

Es ist noch nicht lange her, da funkte der Auspuff nach anderthalb Jahren SOS. Bastelfreudige Autofahrer verlängerten damals mit Auspuff-Pasten, Cola-Dosen und Draht die Betriebszeit noch um ein paar Monate. Heute halten Abgasanlagen in der Regel 100.000 Kilometer und mehr. Möglich machen das insbesondere die hochwertigen, chromlegierten Stahlsorten. „Eine dünne Oxidschicht legt sich über den Stahl und bietet optimalen Schutz", erklärt Georg Wirth, Entwickler und Experte für die Erprobung neuer Werkstoffe bei Eberspächer, einem der vier größten Hersteller weltweit.

Automobil_Mit_Ueberschall_ins_Rohr_Auspuffanlage

Wer heute äußerst komfortabel mit seinem Auto unterwegs ist, hat keine Vorstellung davon, welche Leistung die ca. vier Meter lange und bis zu 50 Kilogramm schwere Abgasanlage vollbringt. Zum Beispiel Lärm: Schalldämpfer reduzieren den Höllenlärm um rund 50 Dezibel. Das entspricht einer Verminderung des Schalldrucks um den Faktor 300. Und dabei sorgt die Anlage auch noch ganz gezielt für den richtigen Sound. Im Labor berechnet.

Oder die Abgasreinigung: Der stählerne Katalysator arbeitet am besten, wenn die Gase sehr heiß sind. Deshalb rücken die Entwickler von Eberspächer den Kat so nah wie möglich an den Motor heran. Gleichzeitig sollen die Abgase mit wenig Widerstand abgeführt werden. Zu starker Gegendruck reduziert die Motorkraft, zu geringer Gegendruck kann den Kraftstoffverbrauch erhöhen. „Wir entwickeln für jeden Motor eine individuelle Anlage, die ganz genau auf den Motor und das Modell ausgelegt wird", so Wirth. Ideal sind große Kammern und glatte Rohre.

In der Realität ist das allerdings nicht immer möglich.: Der Unterboden ist meist zerklüftet, so dass die Anlage in dem Raum untergebracht wird, der übrig ist. Auch da spielt Stahl seine Stärken aus. Denn er passt sich an. „Stahl ist immer noch das beste Material für Abgasanlagen", sagt Rudi Valgaeren, Entwicklungschef beim belgischen Hersteller Bosal. „Er hält die hohen Temperaturen und Vibrationen bei sehr geringem Gewicht sehr lange aus." Auf die Frage, ob nicht noch leichtere Materialien einsetzbar wären, winkt Valgaeren mit Hinweis auf Kosten und Haltbarkeit ab. Die Autofahrer wird es freuen.

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