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Rettungsinsel auf Stelzen
Düsseldorf, den 11.07.2011 - Markant erhebt sich der neue Hubschrauberlandeplatz vor dem Klinikum Aachen. Akutpatienten können künftig von der 15 Meter hohen Landeplattform in kürzester Zeit direkt in die Notaufnahme gebracht werden. Möglich macht das eine Konstruktion aus Stahl.
Bei Schwerverletzten entscheiden oft wenige Minuten darüber, ob medizinische Hilfe ihr Leben retten kann. Das Aachener Universitätsklinikum behandelt jedes Jahr einige hundert solcher akuten Fälle, die häufig per Hubschrauber zum Klinikum geflogen werden. Nachdem der bisherige Landeplatz nicht mehr den Anforderungen entsprach, suchte der Bauherr nach Möglichkeiten, die Helikopter-Anbindung schneller und effizienter zu machen: Statt wie bisher in einigen hundert Meter Entfernung landen die Hubschrauber künftig auf einer 15 Meter hohen stählernen Plattform direkt vor dem Klinikum. Von hier führt ein überdachter Verbindungssteig mit Schrägaufzug direkt in die Notaufnahme.
Rettende Stahlhand
Aus einem zuvor vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW ausgelobten Wettbewerb ging das Aachener Büro OX2architekten als Sieger hervor. Es war die Idee einer „rettenden Hand" in Form eines geöffneten Handtellers, die Ina-Marie und Marcin Orawiec, Inhaber des Büros OX2, zu der jetzt verwirklichten Form führte. Die Planer gestalteten die Landeplattform in Form eines Ovals, das lediglich auf zwei Stützen steht. An der äußeren Schmalseite der Ellipse ist Platz für einen parkenden Hubschrauber. An der dem Klinikum zugewandten Seite liegen der Eingang zum Verbindungssteig und die technische Leitwarte für die Rettungseinsätze. Der eigentliche Landeplatz befindet sich im Mittelpunkt der 55 m langen und 31 m breiten Plattform.
Materialoptimierung reduziert Kosten
Mit der Firma stahl + verbundbau gmbh (s+v) fanden Bauherr und Architekten einen Generalübernehmer mit dem nötigen Know-How zur wirtschaftlichen Umsetzung des unkonventionellen Entwurfs. Durch Optimierung der Tragkonstruktion konnte das Unternehmen eine Kosteneinsparung von ca. 700.000 Euro erzielen.
Der Entwurf des Helikopterterminals scheint von Science-Fiction-Filmen inspiriert worden zu sein: Die geschuppte, grün schimmernde Hülle des Steigs führt in weichem Schwung hinauf in den Landeteller; dessen breit aufgewölbte pilzförmige Stützen, umhüllt mit lichtdurchlässigem Glasfasergewebe, gehen stufenlos in die Plattformebene über.
Tragwerk aus Stahlprofilen
Was nach außen schwebend leicht wirkt, ist in Wirklichkeit überaus tragfähig und robust: Ca. 325 Tonnen Profilstahl wurden für die Unterkonstruktion, die Plattform selbst und den Verbindungssteig konstruktiv verbaut, so dass auf ihr bei Bedarf auch größere Hubschraubertypen mit einem Abfluggewicht von bis zu 12 Tonnen landen können. Das stählerne Tragwerk besteht aus zwei V-förmigen, jeweils mehrteiligen Stützkonstruktionen, die in einem Betonfuß gründen. Rohr- und Walzprofile bilden die Basis der die Plattform tragenden, weit gespannten Stahlfachwerk-Konstruktion. Die Landeplattform selbst besteht aus einer wasserdichten Verbunddecke aus profiliertem Stahlblech und Ortbeton.
Entscheidende Bedeutung für die Gesamtstabilität des Gebäudes kommt dem Erschließungsbauwerk zu, dessen konstruktiven Kern vier Stahlbetonfertigteile bilden. Die Ingenieure von s+v entwickelten ein System zur optimalen Lastableitung: Durch Spannelemente mit den zwei röhrenförmigen Stahlfachwerkträgern der Stützfüße gekoppelt, formen alle drei Elemente einen Rahmen. Die Steifigkeit der Rahmenecken ist dabei auf ein optimales Kräftegleichgewicht hin ausgelegt. Die „rettende Hand" nimmt die landenden Hubschrauber souverän auf. Durch Starts und Landungen entstehen nur minimale Schwingungen und Verformungen.
Synthese aus Form und Funktion
Die kelchförmig gewölbte Glasfasermembrane fließt leicht und selbstverständlich um die Stützen und ist konstruktiv anspruchsvoller als es scheint: Aufgrund der wechselnden Krümmungsradien unterteilten die Architekten die Außenhaut auf fünf Membranfelder je Stützfuß. Deren Ränder sind über Kederschienen an einer sekundären, von den eigentlichen Stützen unabhängigen stählernen Unterkonstruktion befestigt. Spanten aus gebogenem Stahlrohr tragen die Membran aus PTFE-verstärktem Faserstoff.
Das grün schimmernde Schuppenkleid des Verbindungssteigs ist konstruktiv nicht weniger ausgeklügelt: Seine Hülle besteht aus 240 grün bedruckten Metalltafeln. Die einander überlappenden Tafeln sind auf eine Schale aus Stahltrapezprofilen montiert, die die eigentliche wetterfeste Einhausung bildet. Die zu erwartende Verformungsdynamik der Plattform und die konstruktive Verbindung von Glasfasergewebe mit verschiedenen Stahlprodukten forderten von Architekten und Stahlbauern eine sehr eng abgestimmte Planung. Am 9. Juli 2011 wurde die Plattform feierlich ihrer Nutzung übergeben.
Projektdaten
Bauherr: BLB Niederlassung Aachen in Vertretung des Universitätsklinikums Aachen AÖR Architekten: OX2architekten GmbH, Aachen Generalübernehmer: Fa. stahl + verbundbau gmbh (s+v) Bauzeit: 2010 bis 2011 Baukosten: ca. 7,5 Mio. Stahltonnage: 325 Tonnen Tragkonstruktion; 25 Tonnen Mebranunterkonstruktion
Kontakt: Dipl.-Ing. Hans Allkämper Stahl-Informations-Zentrum Sohnstraße 65 40237 Düsseldorf Tel: +49 (0)211 6707-844 Fax: +49 (0)211 6707-344 E-Mail: hans.allkaemper@stahl-info.de
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