Stahl verbindet Natur und Technik
Düsseldorf, den 12.10.2011 - Eisenbahnfans bezeichnen sie als den „liegenden Eiffelturm": die weltberühmte Müngstener Brücke mit ihrer filigranen Stahlkonstruktion über dem Tal der Wupper bei Solingen. Seit Mitte letzten Jahres können Besucher im Brückenpark Müngsten die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands auch vom neuen Gastronomiegebäude aus beobachten und erleben. Das skulpturale Bauwerk mit seiner rotbraun leuchtenden Fassade aus wetterfestem Baustahl ist inzwischen selbst ein - auch mit Architekturpreisen - ausgezeichneter Ort.
Im nächsten Jahr wird sie 115 Jahre alt, die Brücke, die Solingen und Wuppertal verbindet: 1897 erbaut, 107 Meter über Grund, als Antwort deutscher Ingenieurbaukunst auf den Eiffelturm in Paris und mit 465 Meter länger als dieser hoch. Im Jahr 2006 wurde der Müngstener Brückenpark eröffnet, der die idyllische Landschaft des Wupper-Tals ebenso in Szene setzt wie die historische Konstruktion der genieteten Eisen-(Bahn-)Brücke, die vielleicht bald schon zum Weltkulturerbe gehört: Natur trifft Technik. Seitdem zählt der Landschaftspark jährlich mehr als 300.000 Besucher aus aller Welt.
Gastronomiegebäude im Brückenpark
2008 wurde ein Architekturwettbewerb entschieden, dessen Konzept mit den drei Gebäuden „Haus am Wasser", „Haus am Hang" und „Haus Müngsten" den Ausbau des touristischen Angebots vorsieht. Erster Preisträger des europaweit offenen Realisierungswettbewerbs war das Büro Pool2 Architekten aus Kassel. Der erste Bauabschnitt, das Gastronomiegebäude „Haus Müngsten", wurde Pfingsten 2010 eingeweiht. Architektur inmitten der Natur.
„Mit seiner zeichenhaften Formensprache bildet das zweigeschossige Gebäude den markanten Start- bzw. Endpunkt des Brückenparks", so erläutert Tore Pape, Architekt und Inhaber des Kasseler Büros. „Das Gebäude orientiert sich giebelständig zum Park und bildet mit seiner einfachen, leicht wiedererkennbaren ‚Haus-Typologie’ ein unverwechselbares Zeichen für den Parkbesucher."
Die unterschiedlichen Café- und Restaurantnutzungen im Erd- und Obergeschoss sind so angelegt, dass über große Fensteröffnungen ein größtmöglicher Bezug zur umgebenden Natur erreicht wird: im Erdgeschoss ein multifunktionaler Saal und eine Außengastronomie auf einer plateauartigen Terrasse, im Obergeschoss ein kleinerer Clubraum und die sogenannte Brückenlounge mit panoramaartigem Blick auf den Park und die Brücke. Im Dachgeschoss befindet sich eine hochwertige Loft-Wohnung.
Wetterfester Baustahl unterstreicht Entwurfsidee
Tore Pape betont die „skulpturale Gebäudeform" von Haus Müngsten durch die homogene Fassade aus wetterfestem Baustahl. Dieses schon lange bekannte Material erlebt derzeit eine Renaissance und hat sich aufgrund seiner sehr eigenen Ästhetik in der Architektur etabliert. Für Pape war das die Grundidee des Entwurfs. Dabei spielten für ihn zwei Kriterien eine Rolle: „Natürlich ging es in erster Linie darum, einen nachhaltigen Baustoff zu verwenden, der langlebig ist und nicht der ständigen Wartung bedarf. Wichtig war mir aber vor allem die natürliche, sich verändernde Oberfläche im Zusammenspiel mit den Farben der umgebenen Natur, die ja auch einen ständigen Wandlungsprozess durchläuft." So ist das Material zugleich auch Medium: Rotbrauner Stahl verbindet Natur und Technik.
Großformatige Fassadenelemente
Realisiert wurde die hinterlüftete Fassade des massiven Gebäudes mit ebenen Blechtafeln aus 5 Millimeter dickem wetterfestem Baustahl. Die Formate von ca. 2 x 4 Meter zeichnen die Geschossigkeit des Gebäudes nach. Dabei ist die Unterkonstruktion, hier ein Metallrahmen mit eingelegter, 16 Zentimeter dicker Wärmedämmung, wie bei jeder anderen vergleichbaren Fassade konstruiert. Die einzelnen Elemente sind über Haltepunkte aufgehängt, die auf der Rückseite der Bleche angeschweißt wurden.
Die charakteristische Oberfläche
Um einen gleichmäßigen Korrosionsprozess - der nach Ausbildung der Patina nahezu vollständig zum Erliegen kommt - und damit ein einheitliches Erscheinungsbild der Oberfläche zu erzielen, muss bei wetterfestem Baustahl die Walzhaut abgebeizt werden. Die rötlich leuchtende Oberfläche des wetterfesten Baustahls stellt sich, je nach Wechsel von Nass- und Trockenzyklen, bereits nach wenigen Monaten ein. Dann bietet das Material dauerhaften Schutz und ist wartungsfrei.
„Obwohl das Bauwerk direkt an der Wupper liegt und damit hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist, konnten wir den sich selbst schützenden Baustahl einsetzen. Bei unserer Planung war uns die fachliche Beratung des Stahl-Informations-Zentrums in Düsseldorf besonders hilfreich", betont Tore Pape, der jederzeit wieder wetterfesten Baustahl einsetzen würde.
Wertschätzung und Architekturpreise
Der zweite Bauabschnitt sieht den Bau des Besucher- und Tagungszentrums „Haus am Hang" vor, dessen Fassade ebenfalls aus wetterfestem Baustahl bestehen wird. Der Bauherr, auch hier die Lebenshilfe Solingen e. V., dürfte sich zudem durch die Auszeichnungen der Architekturpreise ‚Vorbildliche Bauten Nordrhein Westfalen 2010’ und ‚max40, BDA-Preis für Junge Architekten in Hessen’ bestätigt sehen. Nach dem Urteil des Preisgerichts für ‚Vorbildliche Bauten’ „fügt sich das Bauwerk harmonisch in den Landschaftspark ein und wertet den Standort durch seinen reizvollen Kontrast mit der filigranen Eisenbahnbrücke weiter auf."