Wenn Lena singt, spielen die Kicker in der Stahl-Arena
Düsseldorf, den 05.04.2011 - Mit der Ausweichspielstätte für Fortuna Düsseldorf entstand das erste temporäre Stadion im deutschen Profi-Fußball: die Air Berlin World. Damit setzt sich der Trend hin zu modularen Tribünen fort - aus gutem Grund, denn sie sind flexibel, nachhaltig und reduzieren die wirtschaftlichen Risiken für die Vereine.
Weil ihr Stadion als Austragungsstätte des im Mai 2011 stattfindenden European Song Contest ausgewählt wurde, muss Fortuna Düsseldorf umziehen: Gleich neben der Heimatarena der Düsseldorfer Kicker entstand in den vergangenen Wochen ein komplettes Stadion für 20.000 Zuschauer mit Tribüne, Flutlichtanlage, Video-Screen, Spielerkabine und VIP-Lounge. Die Tribüne besteht aus 180.000 Einzelteilen, insgesamt 60 Kilometer Stahlrohre. Die verbauten 2000 Tonnen Material transportierten 150 Sattelzüge zur Baustelle. In Düsseldorf erlebt ein stählernes Modulbaustadion dieser Größe seine Deutschland-Premiere. Andernorts setzte man schon früher auf modulare Stadion- und Tribünensysteme: So realisierte die Schweizer Eventbaufirma Nüssli, die auch das Düsseldorfer Stadion errichtete, vergangenes Jahr in Vancouver für den Fußballverein Vancouver Whitecaps in wenigen Wochen ein temporäres Stadion mit 27.500 Plätzen. Das nutzte die Mannschaft, während ihre Heimatarena saniert wurde.
Arenen aus Stahl bieten sich zudem an, wenn Extrem-Klima eine massive Bauweise erschwert, etwa im Emirat Kartar mit Tagestemperaturen um 35 Grad. Hier wird die Fußball-WM 2018 stattfinden. Da der kleine Wüstenstaat außerdem nur wenige der geplanten neun Stadien dauerhaft benötigt, ist Stahl hier das Material der Wahl. Nach der WM werden einige der Stadien wieder demontiert und ihre Einzelteile irgendwo auf der Welt einer neuen Nutzung zugeführt.
Stadion-Erweiterung auf Zeit
Auch bestehende Stadien lassen sich vorübergehend erweitern. Um den Vorgaben der FIFA zu entsprechen, ergänzte die westfälische Firma Lichtgitter für die Fußball-Europameisterschaft 2008 die Stadien in Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt um zusätzliche Oberränge. Der Vorteil: Statt eines teuren Neubaus, der nach dem Großereignis überdimensioniert gewesen wäre und hohe Unterhaltungskosten erzeugt hätte, konnten die vorhandenen Bauten genutzt werden. In den drei Stadien wurden so insgesamt 48.000 zusätzliche Plätze geschaffen.
Größere Ränge für Aufsteiger
Auch wenn sich bei einem Verein der sportliche Erfolg schneller als die Stadion-Infrastruktur entwickelt, entscheiden sich die Vereinsmanager immer häufiger für temporäre Lösungen. Mobile Stadien erlauben es den Vereinen, die ligaüblichen Standards zu erfüllen, ohne das finanzielle Risiko eines kostspieligen Neubaus auf sich zu nehmen. Vor allem Vereine, die des Öfteren die Spielklasse wechseln, interessieren sich für die Fertigbau-Stadien. Die Kosten pro Sitzplatz belaufen sich ohne Überdachung auf rund 200 Euro. Bei herkömmlichen Arenen ist ein Sitzplatz kaum unter 1000 Euro zu bekommen, und nichts spricht gegen eine mehrjährige Nutzung der temporären Stadien.
Modulare Vielfalt
Während das System des Schweizer Anbieters Nüssli auf Rohrprofilen basiert, errichtet das Unternehmen Lichtgitter seinen Unterbau aus warmgewalzten Doppel-T-Profilen. Diese werden verschraubt und überbrücken Spannweiten von 5 bis 10 Metern. „Der Werkstoff Stahl hat sich für die multifunktionale Stadionnutzung als optimal erwiesen", sagt Karl-Heinz Haller von Lichtgitter. Gegenüber Betontribünen biete er enorme Flexibilität: „Wir können eine breite Palette möglicher Schnittpunkte herstellen. Ist eine Sonderlösung gefordert, kann sie jederzeit ins modulare System eingefügt werden." Außer den Elementen des Unterbaus, den Auflagerosten, Treppen und Geländern gibt es inzwischen eine ganze Palette von Sonderbauteilen etwa für Dächer, so dass vielfältige architektonische Lösungen realisierbar sind. In punkto Sicherheit müssen keine Abstriche gemacht werden: Extrembelastungen durch hunderte von Fans, die auf den Tribünen tanzen, sind in den statischen Berechnungen berücksichtigt.
Robuste und trittsichere Stahlroste
Die gesamte Konstruktion wird schwingungsfrei ausgeführt und kann pro Quadratmeter bis zu zwei Tonnen Last aufnehmen. Vor allem bei feuchtem Wetter bieten die strukturierten Stahlgitterroste, die als Böden für Treppen und Ränge verwendet werden, den Besuchern zusätzliche Sicherheit. Alle Anbieter arbeiten auch hierbei mit Modulen, die immer wieder eingesetzt werden können.
Die Anwendung temporärer Arenen ist keineswegs auf den Fußball beschränkt: Sie eignen sich auch für kulturelle Veranstaltungen wie Open-Air-Opernaufführungen und ähnliche Großereignisse.
Nachhaltiges Bauen mit Stahl
Ein besonders zukunftsträchtiges Einsatzfeld sind Wintersportwettkämpfe: Wie die Diskussion um die Bewerbung von München und Garmisch-Partenkirchen um die olympischen Winterspiele 2018 zeigt, stößt die Errichtung großer Sportanlagen im sensiblen alpinen Naturraum auf wachsenden Widerstand bei Umweltschützern. Temporäre Tribünen bieten hier eine ideale Alternative, denn sie lassen sich nach Ende des Sportevents vollständig demontieren und später beliebig oft wieder verwenden. Am Ende einer langen Nutzung erfolgt das Recycling der Stahlbauteile: Ein permanenter Kreislauf, der Stahl zu einem Baustoff mit äußerst positiver Ökobilanz macht.
Kontakt:
Dipl.-Ing. Hans Allkämper
Stahl-Informations-Zentrum
Sohnstraße 65
40237 Düsseldorf
Tel: +49 (0)211 6707-844
Fax: +49 (0)211 6707-344
E-Mail: hans.allkaemper@stahl-info.de