Aktuelles / Wissenswertes über Stahl

Die Götter reiben sich die Augen
Das neue Dach des Athener Olympiastadions


Nun erhebt es sich unter antiker Sonne und wirkt wie eine überdimensionierte Harfe: das neue Stadiondach des modernisierten Olympiastadions in Athen. Entworfen vom spanischen Star-Achitekten Santiago Calatrava und realisiert mit Stahl aus Deutschland gehört die Bogenkonstruktion zu den eindruckvollsten Bauwerken der 28. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit.

Begeisterte Besucher aus aller Welt sehen Wettkämpfe, die in einem Stadion stattfinden, das selbst als Glanzleistung der Baukunst bezeichnet werden kann. Der geniale Calatrava, der auch das benachbarte Velodrom gestaltete, nahm seine Ideen aus der griechischen und byzantinischen Tradition. Säulen, Bögen und Gewölbe der Antike inspirierten ihn zu der neuzeitlichen Interpretation einer scheinbar schwebenden, gewölbten Dachkonstruktion. Er schuf die ideale Symmetrie aus dem neuen Dach und dem aus den achtziger Jahren stammenden, jetzt renovierten Unterbau.

Haupttragelemente sind zwei 80 Meter hoch emporsteigende Obergurtbögen mit einer Spannweite von 300 Metern und die beiden korrespondierenden, nicht minder spektakulären Untergurtbögen. Die Wanddicken der 3,25 bis 3,60 Meter dicken Hohlprofile betragen je nach statischer Belastung bis zu 100 Millimeter. Rund 7.000 Tonnen Stahlbleche kamen von der Dillinger Hütte aus Deutschland.

Aus größerer Entfernung ist das eigentliche Dach, das den Zuschauern Wetter- und vor allem den ersehnten Sonnenschutz bietet, nur schwerlich zu erkennen; zu dominant ist die gigantische Bogenkonstruktion. An die unteren Randbögen sind die zur Arena leicht ansteigenden Dachbinder geschweißt, die der Geometrie des Stadions folgend bis zu 70 Meter auskragen und die 10.000 Quadratmeter große, transparente Dachhaut tragen. Gehalten werden die Trägerköpfe von Stahlseilen, die aus den Obergurten herabgeführt werden.

Um die Modernisierungsmaßnahmen an dem bestehenden Stadion nicht zu behindern, mussten beide Dachsegmente rund 60 Meter neben ihrem endgültigen Standplatz fix und fertig montiert werden. Das Versetzen der je 8.500 Tonnen schweren Dachhälften war überaus kompliziert. Denn während des hydraulisch gesteuerten Ziehvorgangs mit Stahlseilen stand die Konstruktion auf sehr kleinen Füßen, ohne zusätzlich gesichert zu sein. Herkömmliches Spülmittel reduzierte dabei die Reibung zwischen Gleitschuh und Teflonlager, der Vorgang gelang problemlos ohne gefährliches Ruckeln.

Die beiden statisch unabhängigen Dächer stehen heute auf vier massiven Lagerpunkten. Sie bieten den Sport Begeisterten Schutz vor den Launen des Wetters; künden den Göttern des Olymp und der ganzen Welt von den Möglichkeiten moderner Ingenieurskunst mit Stahl.

Olympiastadion

Olympiastadion in Athen (Bildquelle: Bund Beratende Ingenieure)