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Neues Wohnen unter historischem Stahldach
Düsseldorf, den 9. März 2010 - Gas-Tank, Flüchtlingsunterkunft und Vorratslager - der ehemalige Gasometer in Berlin Kreuzberg wurde in den vergangenen 130 Jahren ganz unterschiedlich genutzt. Jetzt befindet sich unter der restaurierten Stahlkuppel des Dachgeschosses eine exklusive Wohnanlage - mit atemberaubendem Blick über die Stadt.
Der Gasometer an der Berliner Fichtestraße, auch bekannt als „Fichtebunker", hat schon so einiges „erlebt". 1874 errichtet, ist er heute der einzige noch erhaltene Gasometer der Stadt. Bei der Planung des zylindrischen Baukörpers griff man damals aufgrund mangelnder Erfahrung auf die Entwürfe für eine Rundkirche zurück. Noch heute sind diese Einflüsse an der Fassadengestaltung zu erkennen.
Den oberen Abschluss des Gebäudes bildet eine sogenannte Schwedlersche Kuppel - eine wegen der günstigen geometrischen Eigenschaften nur gering belastete und daher sehr filigran ausgebildete Tragkonstruktion. Die nach ihrem Erfinder Johann Wilhelm Schwedler benannte Kuppel hat eine Spannweite von 56 Meter und eine Höhe von 12,5 Meter. Mit ihren Bögen und Verbindungen aus 32 radialen Stahlträgern, Querstreben und kreuzweise diagonal verlaufenden Zugstangen war die Dachkonstruktion seinerzeit eine technische Meisterleistung. Im Zuge der Sanierung wurde die alte genietete Dachkonstruktion freigelegt, entrostet und mit einem langlebigen Korrosionsschutzsystem neu beschichtet. Auch nach über einhundert Jahren Standzeit in schadstoffbelasteter Stadtatmosphäre ist die Kuppel voll tragfähig und gibt dem neuen Wohnensemble „Circlehouse" nun seinen einzigartigen Charme.
 Zuerst erfolgte der Abbruch der alten Betoneinbauten unterhalb des Daches. (Quelle: Stahl-Informations-Zentrum / Paul Ingenbleek)
Wie kaum ein anderes steht das historische Gebäude für die Geschichte der Stadt: Bis 1919 diente es der Speicherung von Stadtgas, das zur Beleuchtung von öffentlichen Straßen und Plätzen verwendet wurde. Nach der Stilllegung des Gasometers wurde er 1940 zu einem Bunker umgebaut. Mit einer dicken Stahlbetondecke geschützt, überstand er nahezu unbeschadet den Zweiten Weltkrieg und bot bis zu 30.000 Menschen Zuflucht. In der Nachkriegszeit wurde der ehemalige Gasometer für verschiedene Zwecke genutzt - als Flüchtlingsunterkunft, Jugendarrest, Obdachlosenasyl und in der Zeit des Kalten Krieges schließlich als städtisches Lager zur Bevorratung von Lebensmitteln. „Seit dem Mauerfall stand das denkmalgeschützte Bauwerk leer. Auch vor uns hatten Architekten und Designer immer wieder versucht, die Immobilie zu erschließen.", berichtet der Architekt Paul Ingenbleek, dem es jetzt in Zusammenarbeit mit seinem Partner, dem Ingenieur Michael Ernst, gelungen ist, attraktive Wohndomizile über den Dächern von Berlin zu realisieren.
 Zwei Wohnebenen befinden sich unter der historischen Stahlkuppel des alten Gasometers. (Quelle: Stahl-Informations-Zentrum / Paul Ingenbleek)
Die kreisrunde Wohnanlage liegt unter dem Gerippe der freiliegenden Stahlkuppel. Sie bietet in 22 Meter Höhe 13 individuell zugeschnittene Wohneinheiten mit gehobener Ausstattung auf zwei Ebenen und vorgelagerten Dachgärten in der unteren Ebene. Um den Zuschnitt innerhalb der einzelnen Wohneinheiten flexibel gestalten zu können, wurden die Trennwände in Trockenbauweise mit kaltgeformten Stahlprofilen ausgeführt. Den Wohnungsabschluss bilden massive Trennwände und raumhohe Stahl-Glas-Fassaden mit umlaufenden Stahlbalkonen im Obergeschoss, die den ungehinderten Blick auf die Stadt freigeben.
 Stahlkuppel, Fassade und Stahlbalkone begrenzen die Terrassen der einzelnen Wohneinheiten. (Quelle: Stahl-Informations-Zentrum / Paul Ingenbleek)
Ebenso einzigartig wie die Ausstattung der Wohnungen ist auch die Erschließung des Gebäudes gelöst. Über eine Brücke ist die sogenannte „Wohntorte" mit einem Aufzugsturm verbunden, an den sich ein mit Rippenstreckmetall verkleidetes stählernes Treppenhaus anlehnt. Entstanden ist ein Bauwerk, das beispielhaft den behutsamen Umgang mit historischem Baubestand aufzeigt.
Kontakt: Dipl.-Ing. Hans Allkämper Stahl-Informations-Zentrum Sohnstr. 65 40237 Düsseldorf Tel: +49 (0)211 6707-844 Fax: +49 (0)211 6707-344 E-Mail: hans.allkaemper@stahl-info.de
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